„Neues Land, neue Heimat“

Eine Gruppe von Pinguinen kuschelt sich unter einen Regenschirm und trotzt geduldig dem Regen, der überhaupt nicht mehr aufhören möchte. Kein Wunder, denn Gott hat eine gewaltige Sintflut angekündigt und die Pinguine werden ihre Heimat in der Antarktis verlassen müssen. Dass aber nur zwei von ihnen Platz auf der rettenden Arche Noah finden sollen, damit geben sich die Pinguine nicht einfach so zufrieden – und schmieden einen Plan.

Eine Flucht ist keine Luxusreise. Wer flüchten muss, kann sich nicht einfach ein Flugticket kaufen und bequem in ein anderes Land reisen. Was es bedeutet, sein Land, seine Heimat, seine Stadt, seine Wohnung, sein Zimmer aufgeben zu müssen, Freunde und Verwandte zurückzulassen und vielleicht nie wiederzusehen – das kann sich vermutlich nur vorstellen, wer es selbst durchleben musste. Trotzdem haben die 26 Schülerinnen und Schüler der Theatergruppe mit ihrem Stück den Versuch unternommen, der Situation von flüchtenden Menschen näherzukommen. Natürlich ist es weder möglich noch sinnvoll, die Lebenssituation Geflüchteter und ihre oft traumatischen  Erfahrungen auf der Theaterbühne zur Schau zu stellen. Was aber möglich ist: Geflüchtete nicht als „Problem“ abzustempeln, sondern als unsere Mitmenschen zu begreifen und sich ernsthaft und mitfühlend mit ihren Erfahrungen auseinanderzusetzen. Denn Flucht ist eine universelle Erfahrung und kann bedauerlicherweise jede und jeden treffen.

In den beiden Aufführungen am 6. und 7. März unter Leitung von Johannes Lorentzen wurden gleich mehrere Geschichten rund um die Themen Flucht und Ankommen auf die Bühne gebracht: Von Nyaboth, die als junges Mädchen mit ihrer Mutter und ihrer Zwillingsschwester vom Sudan nach Äthiopien flüchten musste, auch nachzulesen auf der Webseite des UNHCR. Von so manchen Gegenständen, die die Flüchtenden auf ihrer gefährlichen Reise begleiten; was würden sie uns berichten, wenn sie sprechen könnten? Und natürlich von den Pinguinen bei ihrem tragikomischen Versuch, einander nicht im Regen stehen zu lassen.

Inspiriert wurde die Theatergruppe unter anderem von dem Buch „Wir mussten flüchten“ von Christoph Drösser und Nora Coenenberg. Aber auch persönliche Erfahrungen, was es bedeutet, in einem fremden Land ganz neu anzufangen, haben wir in unser Stück einfließen lassen. Eine ganz besondere Bereicherung des Abends stellten die Beiträge von Ophelia Harnisch und den Popcorns dar. Herzlichen Dank an alle Beteiligten und Unterstützer.
Johannes Lorentzen