„Uns ist von alten maeren wunders vil geseit“

„Beschämend, wie hier mit dem Nibelungenlied umgegangen wird“, empört sich der Rhein beim zufälligen Besuch der Aufführungen von „Kriminelle Drachenschaften“ in der Aula des Dalberg-Gymnasiums. Scheinbar gefällt es ihm gar nicht, dass die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars „Musical“ sehr frei – und dabei höchst energiegeladen und spielfreudig – mit dem deutschen Nationalepos umgehen. Dass dabei die von Richard Wagner in seinem Ring der Nibelungen frei erfundenen „Rheintöchter“ auf der Suche nach menschlichem Glück in einer Mittelalter-WG auftauchen, dürfte den Rhein noch am wenigsten verwundert haben. Aber was hat es mit der Ziege auf sich, die in besagter WG erst eine Verlobung zum Platzen bringt, um dann fröhlich Helge Schneiders „Käsebrot“ zu trällern? Warum fühlt man bei Krimi und Brünni, den beiden pferdevernarrten Protagonistinnen Kriemhild von Burgund und Brünhild von Island, ständig „Bibi & Tina“-Vibes? Was haben ein auf Geburtstagstorte stehender Drache und sein Baby mit dem Tod des strahlenden Helden Siggi zu tun? Und warum ist Siggi einfach nicht tot zu kriegen, obwohl er gleich vier Mal auf der Bühne stirbt?

Fragen über Fragen, die sich das Publikum angesichts der rasanten Szenenfolge und eines Punshline-Trommelfeuers gar nicht gestellt haben dürfte. Verschnaufpausen boten ein gutes Duzend brillant vorgetragener Songs, von der stimmungsvollen Band unter Leitung von Marcus Rüdel glänzend in Szene gesetzt und immer wieder garniert von den schwungvollen Choreografien der hochkarätigen Dalberg-Tänzerinnen.

Die gute Stimmung wurde lediglich durch den Rhein getrübt, der sich darüber beschwerte, dass „nur deutsches Liedgut“ zu seinen Ohren kam. „Nur ein Wort“, „Einmal um die Welt“, „Geiles Leben“, „Sowieso“, „Nichts ohne Dich“, „Leuchtturm“ und noch viele weitere coole deutsche Songs wurden an den beiden Aufführungs-Abenden präsentiert – was konnte der „deutsche Rhein“ nur dagegen haben? „Ich bin Ausländer. Ich stamme aus der Schweiz“, lautete sein Einwand, bevor er rasch die Bühne verließ, um mal Wasser zu lassen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer in der ausverkauften Aula ließen sich davon nicht beirren. Noch vor dem eigentlichen Ende feierten sie die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars Musical und ihr mitreißendes Musical mit langanhaltenden Standing Ovations.

Johannes Lorentzen

 

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