Planspiel für die Q12: EU-Abgeordnete für 90 Minuten
Einmal für 90 Minuten Europaabgeordnete oder Europaabgeordneter sein? Das virtuelle Rollenspiel des Europaparlaments macht es möglich. Alles, was es dazu braucht, ist ein möglichst großer Raum und ein iPad oder Smartphone – und natürlich Spielleiterinnen und Spielleiter, die durch das Spiel führen. Diese Funktion übernahmen bei der Durchführung des Rollenspiels im Medienraum des Dalberg-Gymnasiums souverän einige Juniorbotschafterinnen für das Europäische Parlament, die durch zahlreiche Workshops mit der Funktionsweise des Europäischen Parlaments bestens vertraut sind.

Die Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe erhielten zunächst die Rolle einer oder eines Abgeordneten und wurden dann einer Fraktion zugeteilt, die die aktuellen politischen Richtungen, die im EU-Parlament vertreten sind, widerspiegeln. Die Aufgabe der verschiedenen Fraktionen bestand darin, einen Gesetzentwurf der EU-Kommission zum Thema „Nachhaltige Lebensmittel“ zu beraten und zu einer Entscheidung zu kommen. Für die Fraktionen gab es zahlreiche Informationen zu dem Gesetzentwurf der Kommission, die den Teilnehmenden als digitale Materialien zur Verfügung gestellt wurden. Allerdings ging es hier nicht um die persönlichen Meinungen der Jugendlichen, sondern sie mussten sich gemäß des Planspiels an die politische Richtung „ihrer Fraktion“ halten. Jede Fraktion wählte dann eine Sprecherin oder einen Sprecher, die oder der vor dem Parlament eine kurze Stellungnahme abgab, bevor Gelegenheit zu einer kurzen Debatte bestand.
Dann folgte der spannende Moment – die Abstimmung über das Gesetz. Das Ergebnis wurde an den Rat der EU weitergeleitet, und mit Spannung wurde dessen Entscheidung erwartet. Aufgrund unvorhersehbarer aktueller Ereignisse verlangte der Ministerrat Änderungen, über die erneut debattiert wurde. Schließlich kam es zu einer Einigung auf einen Kompromiss.
Die Schülerinnen und Schüler lernten in dem Planspiel spielerisch den Gesetzgebungsprozess der EU kennen. Immer wieder wurden Informationen gegeben, die erahnen ließen, wie schwierig es in der Realität ist, zu einer Einigung zu kommen. Am Ende blieb die Erkenntnis, dass hinter jeder europäischen Entscheidung intensive Verhandlungen und viel Überzeugungsarbeit stehen. Aus 90 Minuten Spiel wurde eine eindrucksvolle Erfahrung gelebter europäischer Demokratie, die anspruchsvoll, aber jede Minute wert ist.
Dr. Martin Trageser





