Auf der Suche nach Königin Liutgard

Vier Schülerinnen des Dalberg-Gymnasiums gewinnen beim „Erinnerungszeichen“-Wettbewerb

„Das Mittelalter ist überall. Spurensuche in Bayern“ lautete das Thema des seit 1998 stattfindenden Schülerlandeswettbewerb „Erinnerungszeichen“. Rund 1400 Schülerinnen und Schüler nahmen an dem Wettbewerb teil. Ein Rekord, wie die Organisatorinnen Petra Nerreter und Ulrike Meier-Robisch stolz vermeldeten. Einer Gruppe von Juniorbotschafterinnen des Europäischen Parlaments des Dalberg-Gymnasiums Aschaffenburg gelang es zum zweiten Mal in Folge einen Preis zu gewinnen. Während es im vergangenen Jahr ein Sonderpreis war, konnten sie sich diesmal über den mit 300 € dotierten dritten Preis der Kategorie Gymnasien Jahrgangsstufe 10 bis 12 freuen. Bei einer Feierstunde im Senatssaal des Bayerischen Landtages am 11. Juli 2025 sprach eine der Schirmherrinnen, Landtagspräsidentin Ilse Aigner davon, dass die „Bereitschaft, sich umfassend zu informieren, den Dingen auf den Grund zu gehen und zu einem eigenen Schluss zu kommen“ wichtig für die Demokratie sei und sie dankte allen Teilnehmern für ihr Interesse an Politik und Geschichte, das sich in ihren hervorragenden Beiträgen zeige.

11.07.2025, München: Preisverleihung des Schülerlandeswettbewerbs „Erinnerungszeichen“ unter dem Motto „Mittelalter ist überall – Spurensuche in Bayern“. Kategorie Gymnasium 10-12: 3. Landespreis: Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasium Aschaffenburg. Foto: Matthias Balk/Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Doch womit hatten sich die Juniorbotschafterinnen unter Anleitung ihres Lehrers Dr. Martin Trageser in ihrem Beitrag beschäftigt? Sie hatten sich auf die Suche nach Königin Liutgard von Sachsen gemacht, deren Grab sich in der Stiftskirche befindet. Durch ihre Hochzeit mit dem ostfränkischen König Ludwig III. der Jüngere in Aschaffenburg wahrscheinlich im Jahr 874  erlebte das damalige Ascaphenburgh erstmals ein historisches Ereignis. Nach dem Tod ihres Mannes erhielt die Königin den Stiftsberg als Witwensitz und ließ dort eine erste Kirche bauen, einen Vorgängerbau der heutigen Basilika. Es war nicht einfach, etwas über die mittelalterliche Königin herauszufinden, denn die Quellenlage ist mehr als dürftig. Doch mit Hilfe der Stadt- und Museumsführerin Anne Hundhausen und des Kreisheimatpflegers Dr. Theodor Ruf gelang es den Schülerinnen, das Leben der Königin in einem zwanzigseitigen Heft anschaulich zu präsentieren. Vieles bleibt jedoch im Dunkeln der Geschichte. Königin Liutgard war jedoch unbestritten eine herausragende Persönlichkeit, die in Aschaffenburg lebte und wirkte. Es wäre an der Zeit, sich an sie in Form eines Denkmals oder zumindest einer Gedenktafel zu erinnern.

Dass eine Königin in ihre letzte Ruhestätte in Aschaffenburg gefunden hat, sollte mehr im Bewusstsein der Aschaffenburger verankert sein. Vielleicht kann das Heft der Juniorbotschafterinnen, das auf der Homepage des Dalberg-Gymnasiums verfügbar ist, ein erster Schritt sein,  um sich mit einer bedeutenden Persönlichkeit der Stadtgeschichte von Aschaffenburg auseinanderzusetzen.

Dr. Martin Trageser

Wer mehr über das Leben von Königin Liutgard wissen möchte, kann ihr Grab in der Stiftskirche besuchen oder den überaus gelungenen Beitrag hier lesen.