Zwischen Erinnerung und Verantwortung: Eindrücke aus Flossenbürg

Im Rahmen einer Exkursion besuchten wir, die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen des Dalberg-Gymnasiums am 2. und 4. Februar 2026 die Gedenkstätte Flossenbürg. Ziel der ausführlichen und sehr aufschlussreichen Führung war es, uns einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Konzentrationslagers sowie das Leben der Häftlinge zu geben. Während des Rundgangs besichtigten wir das ehemalige Lagergelände sowie eine Ausstellung im damaligen Waschgebäude.

Das Konzentrationslager Flossenbürg wurde 1938 von den Nationalsozialisten errichtet und diente ursprünglich als Arbeitslager, um Granit im nahegelegenen Steinbruch abzubauen. Technisch gesehen war das Lager jedoch vor allem ein Instrument, um Menschen zu verfolgen, einzusperren und zu unterdrücken, die nicht in das System der Nationalsozialisten passten – darunter Juden, Homosexuelle, Menschen mit anderer Meinung oder Personen, die willkürlich als „asozial“ eingestuft wurden. Für die SS war das Lager ein reines Handelsgeschäft, in dem der Grundsatz „Arbeit macht frei“ herrschte, während es für die Gefangenen ein System des Massenmordes und der totalen Kontrolle war.

Während der Führung erfuhren wir viel über die grausamen Lebensbedingungen. Die Demütigung begann für die meisten Häftlinge schon bei der Ankunft mit der sogenannten „Desinfektion“, der ersten Etappe einer „Höllenfahrt“. Die Gefangenen mussten unter unmenschlichen Bedingungen im Steinbruch arbeiten, wurden unzureichend ernährt und trugen bei jeder Witterung unpassende Kleidung. Zudem waren sie willkürlichen Strafen bis hin zur Exekution schutzlos ausgeliefert. Besonders bedrückend war die Schilderung der Wohnverhältnisse: Die Häftlinge schliefen in komplett überfüllten Baracken – mit etwa der vierfachen Belegung der vorgesehenen Kapazität. Dies führte in Kombination mit mangelhafter medizinischer Versorgung zu katastrophalen Hygienebedingungen.

Die Erklärungen unserer Guides waren dabei keineswegs einseitig. Uns wurden Bilder von NS-Soldaten gezeigt, die einerseits privat Gitarre spielten, andererseits aber Häftlinge grausam misshandelten. Diese Gegenüberstellung verdeutlichte uns die gezielte Entmenschlichung durch das NS-Regime. Obwohl die Häftlinge aus den unterschiedlichsten Regionen kamen und sich oft nicht auf Anhieb verstanden, wurde ihnen allen auf die gleiche Weise die Menschlichkeit genommen.


Zum Ende des Krieges hin verschlechterte sich die Lage im Lager noch einmal drastisch. Der Besuch hat uns deutlich gezeigt, wie menschenverachtend die Herrschaft der Nationalsozialisten war. Das „Tal des Todes“, wie die letzte Etappe für die Gefangenen genannt wurde, steht als Symbol für ein System, das ganze Bevölkerungsgruppen vernichten wollte. Die Gedenkstätte zeigt auf, wie Ideologie zur absoluten Entmenschlichung führen kann.

Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen
(CS, AG)


